Mal eine kurze Anleitung zum Kupplungswechsel für die GS 1100.

Werkzeug: eigentlich nix besonderes, Schraubenzieher, Schraubenschlüsselsatz, Inbussatz, Ratschenkasten, Drehmomentschlüssel, Spanngurte.

Eine Motorradhebebühne oder eine Rampe, auf der die GS hochgebockt werden kann is natürlich von Vorteil, wenn man nicht als Teppichrutscher arbeiten will. Zum Anfang würd ich jedem emfehlen, zwischen Hauptständer und Vorderrad einen Spanngurt reinzuspannen, damit der Ständer nicht unbeabsichtigt einklappen kann.

Wenn man schon am Getriebe schraubt, kann man evtl. gleich Getriebe und Achsöl wechseln......

Dann kanns losgehen:

Sitzbank runter, Seitendeckel rechts abziehen, Tank runter, die 2 Benzinschläuche kennzeichnen damit sie beim Zusammenbau nicht versteckt werden. Ich hab kurz vorher vollgetankt, mit 25 Liter Sprit ist der Tank etwas unhandlich :-((

Bremssattel hinten ausbauen, Hinterrad raus.

Luftfilter raus, Ansaugrohr links abnehmen, Batterie ausbauen (Minuspol zuerst lösen), Batteriekasten und Steuergerät für Motronic lösen und mit Spanngurt hochbinden.

Rechts und Links die Schlauchschellen zwischen Drosselklappenteil und Plastikrohr lösen.

Auspuffendtopf von Krümmer lösen, Auspuff ausbauen, Krümmer bleibt drin.

Linke hintere Getriebehalterung-Fußraste lösen, dabei auch Sprengring an Schalthebelgestänge entfernen.

Rechte hintere Getriebehalterung-Fußraste lösen.

Führungsstange hinten unter Kardanrohr lösen.

Kupplungszug an Getriebe aushängen

Federbein mit Verstellrad ausbauen

Vorne am Drehpunkt des Rahmens sind Rechts und Links je 2 Schrauben, 2 müssen raus, die anderen 2 lockern, dann kann der komplette Rahmen hochgeklappt werden.

Ich hab dazu ein Seil am Gepäckträger befestigt und nach vorne durch die Lenkerstrebe gelegt. Dann kann man sehr einfach das Seil nach unten ziehen und das Heck hebt sich nach oben.

Beim Hochziehen schauen, daß die Plastikrohre aus dem Drosselklappenteil rausrutschen, und darauf achten, daß keine Kabel oder Schläuche abgerissen werden. Aus dem hinteren Bremsflüssigkeitsbehälter dürfte nix auslaufen, weil eine Gummidichtmanschette eingelegt ist, aber lieber man schauen und den Behälter gerade stellen, wenn das Heck oben ist.

Wenn das Heck fast senkrecht steht, dann bindet man es am Lenker fest.

Anlasser ausbauen, sind nur 2 Schrauben, dann lässt sichs leichter arbeiten, weil dahinter einige Kabel verlegt sind. Vor dem Anlasserausbau sollte man die Anlasserabdeckung mit der Steckdose entfernen....

Jetzt kann das Getriebe vom Motor getrennt werden, dazu die Inbusschrauben lösen. Am besten lässt man links und rechts eine Inbusschraube noch leicht eingeschraubt, und hebelt mit einem Schraubenzieher erstmal vorsichtig zwischen Motor und Getriebe bis sich das Getriebe löst.

Wenns locker ist, dann rausnehmen. Es stecken 2 Führungs-Paß-buchsen an der Getriebeglocke oder an der Auflagefläche des Motors, also aufpassen, daß diese nicht wegfallen.

In der Getriebewelle befindet sich eine 2-Teilige Druckstange, die sollte man auch nicht verlieren.

Beim Ausbau der Kupplung die Schrauben gleichmäßig über Kreuz lösen.

Wenn die Tellerfeder nicht gebrochen oder einseitig lahm ist und die Metallreibflächen des Kupplungskorbes nicht eingelaufen oder blau angelaufen sind, dann kann man sich überlegen, nur die Mitnehmerscheibe zu wechseln. Ersparnis bei BMW Preisen ca. 200 Euro.

Natürlich ist ein kleines Risiko dabei, denn die Teile sind ja nicht mehr neu und die Federspannung kann im Lauf der Zeit nachgelassen haben. Das muß jeder selbst wissen, aber 150 Euro in evtl. unnötige Teile investieren, das muß auch nicht unbedingt sein!

Vor dem Einbau der Kupplung alle neuen Teile mit den alten vergleichen, die Mitnehmerscheibe innen an der Verzahnung leicht mit festem Fett oder Kupferpaste einfetten und ein paar Mal auf die Getriebewelle stecken darauf "gängig" machen. Überschüssiges Fett danach entfernen !!! Dazu kann man die Auflagefläche Tellerfeder-Schwungrad und Tellerfeder-Druckplatte sowie Druckstange-Schwungrad ganz leicht mit Kupferpaste einfetten, das macht wohl jeder anders.

Beim Einbau der Kupplung erstmal alles draussen zusammenstecken, dann mit 3 Schrauben ans Schwungrad leicht anschrauben. Zum zentrieren der Mitnehmerscheibe eignet sich eine 1/2 Zoll Inbusnuss (Größe 5-7 hab nicht draufgeschaut) , die man in die Verzahnung der Scheibe steckt. Der Inbus sollte im Schwungrad möglichst wenig wackeln, dann kann man durch festes reindrücken die Mitnehmerscheibe sehr gut zentrieren.  Klingt kompliziert, geht aber optimal. Dann die restlichen Schrauben außen an der Druckplatte einschrauben und gleichmäßig über Kreuz festziehen. Achja, manche Leute haben auch serienmäßig einen Kupplungszentrierdorn im kleinen Finger oder im Auge eingebaut :-))

Nun kann man die 2-Teilige Druckstange in die Getriebewelle einschieben, die 2 Führungs-Paß-hülsen für die Getriebeglocke etwas einfetten und das Getriebe an den Motor stecken. Ohne Gewalt, wenns klemmt, dann erstmal am Schwungrad drehen, es muß recht leicht reinrutschen.

Wenn Getriebe und Motor wieder miteinander verschraubt sind, dann als erstes den Kupplungszug einhängen und durch ziehen am Kupplungshebel prüfen ob die Kupplung Spiel hat und trennt. Das sieht man auch in der Aussparung für Anlasser-Schwungrad. Evtl. muß der Ausrückhebel eingestellt werden, war bei mir so.

Der restliche Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.....

Für einen halbwegs geübten Schrauber alles kein Problem, Werkstatthandbuch ist eigentlich nicht nötig, ein paar Drehmomente bekommt man vom Händler oder sicher auch bei freundlichen BOFO-Benutzern.

Wer aus irgendwelchen Gründen (Kardanwelle, Ganganzeige, ...) die Schwinge ausbauen muß:

Die 4 Titanschrauben für die Schwingenlager sind mit Loctide eingeklebt. Zum Lösen müssen die Schrauben mit dem Heißluftfön erwärmt werden, pro Schraube ca. 5-10 Minuten den Fön im Abstand von ca. 10 cm draufhalten, zwischendurch einfach mal prüfen, ob die Schraube schon zu lösen ist. Bei mir ging das relativ gut, 4 Schrauben in ca. 20-30 Minuten. Hab aber schon anderes gelesen.....Mit einem Rohr auf der 1/2 Zoll Ratsche geht es einfacher.

Beim herausnehmen der Schwinge können die Lagerschalen abfallen!! Muß aber nicht sein!

Wenn dies passiert, dann reinigen und kontrollieren, ob alle Lagerrollen im Lager vorhanden sind, und dann die Lagerschalen mit Fett "festkleben".

Schrauben vor dem Zusammenbau von Loctide sauberkratzen, ebenso die 4 Gewinde in der Schwinge, dann alle Gewinde entfetten.

Laut BMW Händler sind die Festlagerschrauben (Rechte Seite) mit 60 NM festzuziehen dazu auch Loctide verwenden

Die Einstellschrauben (Linke Seite) mit 7 NM festziehen, auch mit Loctide sichern, Kontermutter dann mit 60 NM

Anhang zum Kupplungswechsel:

Nach diesem Kupplungswechsel  konnte ich ziemlich genau 10.000 KM fahren. Dann stellte sich beim plötzlichen Beschleunigen am Berg erneutes Durchrutschen der Kupplung ein. 

Ich dachte zuerst an den berühmten undichten Simmerring, und baute schnell den Anlasser aus um meinen Verdacht zu bestätigen. Jedoch war die Kupplung absolut sauber und trocken.

Also blieb mir nix anderes übrig, als in einer Dorfwerkstatt die Kupplung auszubauen und nach der Ursache zu suchen.

Als die Teile vor mir lagen, sah alles ganz gut aus....

Beim genauen Betrachten zeigte sich an der vor 10000 KM gewechselten Mitnehmerscheibe eine ungleichmäßige Abnutzung. Am äußeren Rand war die Mitnehmerscheibe mehr abgenutzt als am inneren Rand.

Das Vermessen der Druckplatte ergab einen Verzug, die Druckplatte hatte sich in den gefahrenen 10.000 KM "trichterförmig" verzogen und somit konnte die Mitnehmerscheibe natürlich nur auf dem äußeren Durchmesser anliegen.

Der neue Kupplungssatz war in kurzer Zeit eingebaut und alles war ok.

Mein Fazit:

Man kann auch in einer ukrainischen Dorfschmiede ohne Probleme die Q instandsetzen

 

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